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Hannelore Kraft – Vollblutpolitikerin für Nordrhein-Westfalen

Hannelore Kraft – Vollblutpolitikerin für Nordrhein-Westfalen

Das größte Bundesland Nordrhein-Westfalen mit seinen 17,6 Millionen Einwohnern ist politisch eine Herkules-Aufgabe: Massive Strukturprobleme, haushaltstechnisch ein Fass ohne Boden, mit Kommunen am Rande der Pleite oder darüber. Ein Fall für Hannelore Kraft.

Ihre Karriere verläuft steil und rasant – mit Mut und Entschlossenheit übernimmt Hannelore Kraft Verantwortung übernommen, als 2005 die SPD nach 39 Jahren in ihrem „Stammland“ abgewählt wird. Als Oppositionsführerin ist sie das neue Gesicht der SPD, ihre direkte und offene Art macht einen Neuanfang glaubhaft. Schließlich gibt die alte Führungsriege auf, 2007 wird Hannelore Kraft Vorsitzende der SPD in NRW und Kandidatin für das Amt des Ministerpräsidenten NRW, nur 13 Jahre nach ihrem Eintritt in die Partei.

Und sie schafft den Wahlsieg. Zwar reichen die Stimmen bei der Landtagswahl 2010 nicht für eine rot-grüne Mehrheit. Doch sie riskiert ­ zusammen mit der grünen Partnerin Sylvia Löhrmann ­ eine Minderheitsregierung und kann Jürgen Rüttgers (CDU) als Ministerpräsidentin ablösen. Nach Neuwahlen 2012 bildet sie eine reguläre rot-grünes Regierung. Als Landeschefin in NRW hat sie ihren Platz gefunden, sie will auch 2017 wieder antreten und weist Bundesambitionen weit von sich.

Doch unumstritten ist sie nicht. Ihre Themen sind soziale Prävention und Chancengleichheit, vor allem in der Bildung, beides ist mit Kosten verbunden. Die Neuverschuldung wächst in NRW, die Haushalte der letzten Jahre wackeln (freundlich ausgedrückt), der Strukturwandel kommt nicht wirklich voran. Viele Kommunen schlittern am Rande der Pleite entlang, einige stehen bereits unter Finanzaufsicht. Und in der Energiepolitik ist sie auf Gegenkurs zum eigenen Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel und dem grünen Koalitionspartner.

Doch Hannelore Kraft packt Probleme pragmatisch und unideologisch an. Die Finanzprobleme Nordrhein-Westfalens sieht sie in einem größeren Zusammenhang, arbeitet mit den Kollegen aus den anderen Bundesländern an der Neuordnung des Länderfinanzausgleichs. Der „Neuen Westfälischen“ sagt sie: „Wir wollen mehr Geld für NRW behalten.“ Den jetzigen Ausgleich hält sie nicht für fair, sieht große Herausforderungen in ihrem Bundesland, setzt auf die Solidarität der Länder untereinander und sieht den Bund in der Pflicht. Denn sie weiß selbst, dass der Weg zu immer neuen Schulden von den Wählern nicht honoriert wird, das Etikett „Schuldenkönigin“ aus ihren ersten Regierungsjahren würde sie gerne loswerden.

Persönlich ist sie nach wie vor beliebt, auch bundesweit. Sie geht gern auf Menschen zu, hat ein offenes Ohr dafür, was die Menschen in ihrem Wahlkreis zu sagen haben. Die erkennen sie als eine der ihren: Man hört ihr das Regionale an, weiß um ihre Herkunft aus einer Arbeiterfamilie. Chancengleichheit ist für sie kein leeres Wort, sondern beschreibt ihren Werdegang. Der Durchlässigkeit des Bildungssystems verdanke sie ihren Berufsweg, betont sie immer wieder: Nach dem Abitur macht sie zunächst eine Banklehre, schließt dann das Studium der Wirtschaftswissenschaften ab.

Frauen empfiehlt sie im Brigitte-Talk, männliche Strategien zu analysieren. Dann aber sollten sie ihre Ansprüche klar äußern, sich einmischen und Spaß am Handeln entwickeln. Sie selbst hat Freude an ihrer Macht – weil sie so etwas bewegen und der Gesellschaft etwas zurückgeben kann.

Bild: Florian Jaenike SPD