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Nicola Leibinger-Kammüller – Diese Frau ist eine echte Trumpf-Dame

Nicola Leibinger-Kammüller – Diese Frau ist eine echte Trumpf-Dame

Die „Bild“ hat sie zu „Deutschlands coolster Chefin“ gekürt, die „Frankfurter Rundschau“ ihr den Titel „Die Madonna aus Schwaben“ verliehen: Nicola Leibinger-Kammüller ist Vorsitzende der Geschäftsführung des Maschinenbauers Trumpf, Mitglied im Wissenschaftsrat, Kuratoriumsmitglied der Robert Bosch Stiftung und der Internationalen Martin Luther Stiftung, Mitglied im Aufsichtsrat von Axel Springer, der Lufthansa und von Siemens, promovierte Philologin und vierfache Mutter – kurzum: eine Frau mit extrem vielen Facetten.

Werdegang und erste Stationen bei Trumpf

Nicola Leibinger-Kammüller erblickt am 15. Dezember 1959 in Wilmington im US-Bundesstaat Ohio das Licht der Welt. Sie ist die Tochter von Berthold Leibinger, der nach einer Mechanikerlehre bei dem Maschinenbauer Trumpf vorübergehend in den USA als Ingenieur arbeitet, 1961 nach Deutschland und zu Trumpf zurückkehrt und dem schwäbischen Unternehmen schließlich von 1978 bis 2005 als Vorsitzender der Geschäftsführung vorsteht.

Seine Tochter Tochter Nicola studiert in Freiburg, Middlebury (USA) und Zürich Germanistik, Anglistik und Japanologie, anschließend promoviert sie und darf seither den Titel „Dr. phil.“ tragen. 1985 tritt Nicola Leibinger-Kammüller in die Unternehmensgruppe Trumpf ein. Sie ist zunächst im Bereich PR und Öffentlichkeitsarbeit tätig, von 1988 bis 1990 dann für die Trumpf Corporation in Japan. Von 1992 bis 2010 fungiert sie als Geschäftsführerin der Berthold Leibinger Stiftung, seit 1994 ist sie Gesellschafterin und seit Januar 2003 Geschäftsführerin der TRUMPF GmbH + Co. KG.

Erfolgreiche und weitsichtige Unternehmerin

Im November 2005 dann die große Überraschung: Berthold Leibinger übergibt das Zepter nicht etwa an seinen Sohn und Nicolas Ehemann – beide Ingenieure und seit Langem in der Geschäftsführung von Trumpf – sondern an seine Tochter, die vierfache Mutter und Literaturwissenschaftlerin. Doch Berthold Leibinger geht es darum, jemanden an der Unternehmensspitze zu wissen, der der Führung fähig ist und zudem eine klare Haltung, ein Gespür für Menschen sowie Verantwortungsbewusstsein besitzt. Lauter Eigenschaften, über die Nicola Leibinger-Kammüller verfügt – was sie in der Folge eindringlich unter Beweis stellt.

Die Wirtschaftskrise um das Jahr 2008 bewältigt Trumpf, ohne einen einzigen Mitarbeiter zu feuern. Leibinger-Kammüller öffnet stattdessen die Familienschatulle und steckt 75 Millionen Euro ins Unternehmen, senkt außerdem die Gehälter der Geschäftsführer um zehn Prozent. Als die Produktion fast darniederliegt, lässt die Chefin ihre Angestellten sich schulen und weiterbilden. Trumpf geht gestärkt aus der Krise hervor – und Nicola Leibinger-Kammüller hat gelernt: Flexibilität ist immens wichtig für den Erfolg eines Unternehmens.

Revolutionärin der Arbeitswelt

Flexibilität billigt sie aber auch ihren Mitarbeitern zu – und entwickelt ein Arbeitszeitmodell, das geradezu revolutionär ist und sie in den Augen vieler zu „Deutschlands coolster Chefin“ macht: Seit 2012 können die rund 4.000 in Deutschland beschäftigten Trumpf-Mitarbeiter alle zwei Jahre selbst bestimmen, wie lange sie arbeiten möchten. Die Angestellten haben zudem die Möglichkeit, bis zu 1.000 Stunden auf einem Arbeitszeitkonto anzusammeln und für längere Auszeiten zu nutzen. Darüber hinaus stehen ihnen Sabbaticals mit einer bis zu zweijährigen Dauer offen – mehr Flexibilität geht kaum.

Gesellschaftliches Engagement

Neben der Unternehmerin gibt es auch die gesellschaftspolitisch und sozial engagierte Nicola Leibinger-Kammüller. Von 2006 bis 2008 berät sie als Mitglied im „Rat für Innovation und Wachstum“ Bundeskanzlerin Angela Merkel, zu der sie einen vorzüglichen Draht haben soll, außerdem ist sie in der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates tätig. Ihr großes wirtschaftliches wie wissenschaftliches, soziales und kulturelles Engagement hat ihr zahlreiche Auszeichnungen beschert, darunter das „Verdienstkreuz am Bande“ (2008), den „Ritter der Ehrenlegion“ (2012) und jüngst den „German Leadership Award“.

Fotos: Trumpf / Thomas Dashuber