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Renate Köcher – Ohne Karriereplanung ins Topmanagement

Renate Köcher – Ohne Karriereplanung ins Topmanagement

An Karriere habe sie nie gedacht, bekannte die 62-jährige Renate Köcher einst im Frauenmagazin „Emma“. Die im Sternzeichen Krebs geborene Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) studierte Volkswirtschaftslehre, Soziologie und Publizistik in Mainz und München. 1977 startete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Elisabeth Noelle-Neumann, bei der sie auch schon ihre Diplomarbeit schrieb. „Ich habe im Institut Allensbach zu arbeiten angefangen, weil mich die Studien interessiert haben, nicht weil ich eine bestimmte Position haben wollte“, schilderte sie ihre Beweggründe dem Magazin der „Süddeutschen Zeitung“.

Doch während andere sich erst noch monatelang im neuen Unternehmen zu orientieren versuchen, übernahm Renate Köcher nach wenigen Wochen bereits ihren ersten eigenen Forschungsbereich. Ab 1980 leitete sie die Marktforschung in den Bereichen Finanzdienstleistungen, Energie und technische Innovationen. 1985 promovierte Renate Köcher, 1988 stieg sie in die Geschäftsleitung ein, die sie sich mit Elisabeth Noelle-Neumann bis zu deren Tod 2010 teilte. Seitdem leitet Renate Köcher das IfD allein. 1996 erhielt sie das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland, 2003 wurde Renate Köcher der Professorentitel verliehen. Nicht schlecht für eine nicht geplante Karriere.

Die Powerfrau hält die Quotendiskussion für realitätsfern

Ebenfalls in der „Süddeutschen Zeitung“ verriet die Vorzeige-Unternehmerin, warum sie jede Quotendiskussion für realitätsfern hält: „Frauen haben andere Interessen als Männer. Deshalb studieren nur wenige Frauen Technikfächer.“ In den Berufen, die sie interessieren, seien Frauen dagegen auf dem Vormarsch. „Von den Ärzten“, so Renate Köcher weiter, „sind heute rund 40 Prozent Frauen, von den Studenten der medizinischen Fächer schon mehr als 60 Prozent.“ Vor diesem Hintergrund halte sie „die Quotendiskussion für realitätsfern“. Sie selbst hatte nie den Eindruck, dass sie ungleich behandelt worden ist. Wenn dies so gewesen wäre, hätte sie sich gewehrt.

Renate Köcher wäre gern nach Italien gegangen

Doch die Powerfrau ist auch selbstkritisch. Sie habe zu schnell studiert, mit Mitte zwanzig schon zu viel gearbeitet. Ein paar Auslandssemester, ein Jahr in Frankreich oder Italien – das hätte sie schon gern getan. Und Familie? Ein Zwiespalt, denn ihrer eigenen Auffassung nach hätte sie weder dem Beruf noch der Familie hundertprozentig gerecht werden können. Schlecht für jemanden, der in allem nach Perfektion strebt. So ist Renate Köcher unverheiratet und hat keine Kinder. Sie pendelt zwischen ihrem Wohnsitz Konstanz und Berlin. Mit dem Älterwerden hat die erfolgreiche Unternehmerin keine Probleme: Man wird souveräner und sicherer im Urteil, das ist angenehm. Ihre Interessen gelten den eigentlich „unweiblichen“ Gebieten Wirtschaft und Politik. Technik findet sie weniger spannend. Einzige Ausnahme: schöne Autos, Betonung liegt auf „schöne“ Autos, nicht schnelle.

Heute ist Renate Köcher Mitglied des Rates der Universität Mannheim, Aufsichtsratsmitglied bei Allianz, BMW und Infineon. Außerdem sitzt sie im Kuratorium der Eugen Biser Stiftung, der Robert Bosch Stiftung und der Eberhard von Kuenheim Stiftung. Sie ist darüber hinaus Mitglied im Vorstand der Siepmann-Stiftung, im Kontrollgremium von Aldi Süd und des Bioökonomierats.

Bild: Screenshot Youtube.com